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27.05.26 I Nachlese "Anna oder: Was von einem Leben bleibt" mit ZEIT-Journalist und Autor Henning Sußebach

Der ZEIT-Journalist und Autor Henning Sußebach war am 27. Mai zu Gast im Holbornschen Haus. Bei einer Veranstaltung der Freien Altenarbeit Göttingen e.V. las er aus seinem Buch Anna oder: Was von einem Leben bleibt und sprach mit rund 30 Gästen über Herkunft, Familiengeschichte, Erinnerung und gesellschaftlichen Wandel. Moderiert wurde der Abend von Prof. Dr. Berthold Vogel, Geschäftsführender Direktor des Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen (SOFI).

Im Gespräch ging es zunächst um die Motivation für das Buch und das Handwerk der Recherche: Wie nähert man sich einem vergangenen Leben an? Welche Spuren bleiben, welche Lücken müssen ausgehalten werden? Sußebach machte deutlich, wie aus persönlichen Dokumenten, Fotografien, Erinnerungen und zeitgeschichtlichen Zusammenhängen das Porträt einer Frau entsteht, deren Leben zugleich weit über die eigene Familie hinausweist.

Im Mittelpunkt des Abends stand die Lebensgeschichte von Sußebachs Urgroßmutter Anna. Anhand bebilderter Episoden zeichnete Sußebach ihren Lebensweg nach und verband persönliche Erinnerungen mit größeren gesellschaftlichen Fragen: nach Rollenbildern und Gleichberechtigung, nach ländlichem Leben, familiärer Verantwortung, Einsamkeit und persönlicher Widerstandskraft.

Im Anschluss an die Lesung stellten die Gäste Fragen zu Sußebachs Recherche, zur Familiengeschichte und zu den gesellschaftlichen Bezügen des Buches. „Henning Sußebachs Buch zeigt eindrucksvoll, wie viel Gesellschaftsgeschichte in einer einzelnen Biografie steckt“, sagte Prof. Dr. Berthold Vogel. „Gerade in einer alternden und häufig vereinzelten Gesellschaft wächst das Bedürfnis nach Selbstvergewisserung: Wer waren die Menschen vor uns, und welche Erfahrungen wirken bis heute nach?“

Für die Freie Altenarbeit Göttingen e.V. knüpfte der Abend an zentrale Themen ihrer Arbeit an: Generationenbeziehungen, gesellschaftlicher Wandel sowie Einsamkeit, auch mit Blick auf ländlich geprägte Räume. Die Veranstaltung machte sichtbar, wie wichtig Orte des Austauschs sind, an denen persönliche Lebensgeschichten und gesellschaftliche Fragen miteinander ins Gespräch kommen.

13.01.26 I Alte Orte, neue Stimmen: Projekt gibt Jugendlichen eine Stimme

Im Projekt „Orte mit Geschichte – Alte Orte, neue Stimmen“ haben knapp 30 Jugendliche in einer anonymen Umfrage ihre Sicht auf Erinnerungskultur geteilt. Deutlich wurde: Erinnerungsorte sind besonders dann relevant, wenn sie persönlich erfahrbar sind – etwa durch Gespräche, Zeitzeug:innenberichte und interaktive Formate. Statt reiner Textvermittlung wünschen sich die Jugendlichen mehr Austausch, Beteiligung und kreative Zugänge.

Eine Fortsetzung des Projekts ist für 2026 geplant. Vorgesehen sind gemeinsame Besuche von Gedenkorten in Niedersachsen, um den generationenübergreifenden Dialog weiterzuführen.

Das Projekt ist Teil der „Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Göttingen“. Es wird gefördert durch das Bundesministerium für Bildung, Familien, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“.

Die Veröffentlichung stellt keine Meinungsäußerung des Bundesministeriums für Bildung, Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) oder des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) dar. Für die inhaltlichen Aussagen tragen die Autorinnen und Autoren die Verantwortung.

07.01.2026 I Nachlese zur Lesung „Erinnerungen aus der Hölle“ von Eugenia Adler im Holbornsches Haus

Etwa 65 Gäste folgten der Einladung zur Lesung aus den Erinnerungen von Eugenia Adler, die als Zeitzeugin die Stationen ihres Überlebens im nationalsozialistischen Terror schildert: vom Warschauer Ghetto über Majdanek und Auschwitz bis nach Sankt Georgenthal. Grundlage der Lesung waren Auszüge aus einem Interview, das Eugenia Adler 1996 für die Shoah Foundation gegeben hatte und das innerhalb der Familie transkribiert, übersetzt und ins Deutsche übertragen wurde.

Gelesen wurden die Texte von Hannelore Mann und Frauke Büchner, moderiert von Lutz Heinke. Stimmig ergänzt wurde die Lesung durch die musikalischen Intermezzi von Andreas Düker auf der Laute. Diese Pausen schufen Momente des Innehaltens und der Reflexion.

Wolfgang Winter, ein Besucher, fasste seine Eindrücke wie folgt zusammen:

„Ich war gestern bei der Lesung der Erinnerungen von Eugenia Adler anwesend und war sehr bewegt, so wie wohl alle Zuhörenden im Raum. Es herrschte fast atemlose Stille, in die hinein sich der Schrecken des ungeheuren Bösen ausbreitete und mich und sicher viele der Anwesenden anrührte. Zugleich entstand auch ein großer Respekt vor der Fähigkeit dieser Frau, das Erlebte in Worte zu fassen und damit ein Stück weit Distanz und Widerstandskraft zu offenbaren.“

Die Veranstaltung machte eindrucksvoll deutlich, wie wichtig das Erinnern und Weitererzählen von Zeitzeugnissen bleibt – gerade in einer Gegenwart, die diese Stimmen mehr denn je braucht. 

Ein besonderer Dank gebührt Isa Rühling, die über ein Jahr hinweg mit großem Engagement und großem persönlichem Einsatz die Übersetzung des Interviews, deren inhaltlichen Zuschnitt sowie die konzeptionelle Ausarbeitung der Veranstaltung verantwortete. Ohne ihre Arbeit wäre diese Lesung nicht möglich gewesen.

Ebenso danken wir den Familienangehörigen Ulrike und Marian Adler für ihre große Unterstützung.

Diese Veranstaltung wurde gefördert vom „Bündnis 27. Januar – Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus“ und stand in pädagogischer Verantwortung des VNB. e. V., Landeseinrichtung der Erwachsenenbildung.